Dienstag, 6. Dezember 2016

Papa bloggt: Darf man als Mann lange Elternzeit machen?

Runzelfuesschen Vater in Elternzeit Elternzeit ist Vaterzeit Elternblog


Letztens wurde in einem sozialen Netzwerk in die Runde gefragt, ob es die Leute sauer macht, wenn ihr männlicher Kollege lange Elternzeit macht. Da ich ja auch zu den Vätern gehöre, die lange Elternzeit machen, fühlte ich mich angesprochen und war ich sehr gespannt auf die Antworten. Dabei wurde ich eher positiv überrascht.

Wie lange darf man denn in Deutschland eine Auszeit für sein Baby nehmen?


Schön öfters habe ich gehört, dass viele Menschen denken, dass Väter nur zwei Monate Elternzeit machen dürfen. Ich, mit meinen sechs Monaten Elternzeit beim Runzelfüßchen und diesmal sogar acht bei Herrn Annika gelte als der totale Exot.
Ich finde es falsch zu glauben, dass zwei Monate Elternzeit irgendwem genügen können.  Vielleicht liegt es daran, dass besagte zwei Monate eben der Standard sind, den Väter nach wie vor nehmen.  Warum sind es nicht drei oder vier Monate oder eventuell noch länger? Denn wie man sich aufteilt ist ja Sache jeder einzlenen Familie. Aber, und das ist wichtig, Elternzeit muss einem Arbeitnehmer gewährt werden, egal ob Vater oder Mutter.

Wie wichtig ist man auf der Arbeit und wie wichtig nimmt man sich


Eine Antwort bei der oben genannten Umfrage war, dass es davon abhängt, ob der Kollege einen wichtigen oder eher unwichtigen Job hat. Wenn man eine relevante Funktion hat und unabkömmlich für die Firma ist, sollte man nicht lange Elternzeit machen. Diese Antwort habe ich schon selbst von anderen Vätern gehört.
"Ich kann nicht lange Elternzeit machen, weil mein Job so wichtig ist und niemand anders kann ihn machen." Subjektiv mag das vielleicht stimmen, aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es nicht einfacher bequemer ist, nur zwei Monate zu nehmen. Mehr Elternzeit zu beantragen bedeutet in der Regel mehr Aufwand, mehr Organisation und vielleicht auch Widerstände überwinden. Indem man sich selbst und anderen sagt, "das geht in meiner Firma nicht" hat man zwar eine einfache Lösung gefunden, aber doch etwas anderes verloren.

Familien sollten Elternzeit machen


Vielleicht lag es an dem Medium, aber die restlichen Antworten gingen alle in die Richtung, dass Männer genau das gleiche Recht wie Frauen hätten, möglichst viel Zeit mit den Babys zu verbringen. Eine Antwort fand ich besonders charmant, denn Derjenige meinte, dass Vater und Mutter beide ein Jahr mit der Arbeit aussetzen sollten. Ich würde das sofort unterschreiben, obwohl es vermutlich für die wenigsten Familien wirtschaftlich machbar wäre.

Zwei kurze Monate


Jemand in meinem Bekanntenkreis meinte nach zwei Monaten Elternzeit, dass er froh gewesen wäre, wieder arbeiten zu können. Für mich war das wenig nachvollziehbar, aber mittlerweile denke ich auch, dass die Zeit eventuell zu kurz war. So schön es ist, sein Baby aufwachsen zu sehen, so anstrengend kann es manchmal sein. Wer einen neuen Job anfängt, hat auch eine gewisse Einarbeitungszeit. Warum sollte es die bei der Elternzeit nicht geben? Routine im Umgang mit dem Kind und die Bindung zu dem Baby, brauchen auch Zeit und müssen sich entwickeln. Ob da der eine Monat kurz nach der Geburt und der andere am Ende wirklich reicht?

Das schlechte Gewissen


Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nie an meine Arbeit denke. Kommen die Kolleg_innen ohne mich aus? Musste ich wirklich so lange Elternzeit machen? Ich denke, dass ich wahrscheinlich auch sehr viel Glück habe, denn mein Umfeld und die Menschen auf meiner Arbeit haben in der Regel sehr großartig reagiert und viele haben mir gesagt, wie toll sie das finden, dass ich so viel Zeit mit meinen Kinder verbringen will. Natürlich hoffe ich, dass meine Elternzeit möglichst reibungsfrei für die Kolleg_innen verläuft, aber ein schlechtes Gewissen will ich mir nicht machen. Jetzt bin ich derjenige, der auf der Arbeit fehlt, ein anderes mal ist es ein andere Vater oder eine andere Mutter, die Elternzeit nehmen und deren Arbeit ich dann vielleicht übernehmen muss.


Macht es für euch einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau auf eurer Arbeit lange Elternzeit macht? Und wenn ja, wieso?

Kommentare:

  1. Guten Morgen,
    also mein Mann hat bei K1 drei Monate gemacht (2 Monate Elternzeit und 4 Wochen Urlaub)
    Bei K2 möchte er den ersten Monate nach der Geburt, 3 Monate nach dem ersten Geburtstag + 4 Wochen Urlaub. Noch weiß der Arbeitgeber das nicht. Bei K1 wurde ihm "gedroht" das er seinen Posten nicht zurück bekommt, wenn er länger weg bleibt, da man seine Abwesenheit so lange nicht "verkraftet" und die Stelle neu besetzten müsste. Er wäre dann nach seiner Rückkehr auf eine andere Stelle gekommen, welche ihn sehr unglücklich gemacht hätte.
    Ich kenne dieses Vorgehen von Firmen schon bei einigen Vätern. Gerade wenn es um Außendienstmitarbeiter oder Großhandel geht.

    Noch viel schlimmer ist es bei meiner Schwester bei der Bundeswehr. Sie hat die gleich Ansage bekommen. Eine neue Stelle bedeutet für Sie aber auch gleich ein Umzug in ein neues Bundesland und den Verlust aller sozialen Bande, die man bis dahin gestrickt hat. Sie behält ihre Stelle nur, wenn Sie nach 6 Monaten!!!!!! wieder kommt und ihr Mann bekommt nur zwei von seinem Arbeitgeber (er ist Außendienstler).

    Es liegt also nicht nur am Wissen, sondern auch am Druck seitens der Arbeitgeber. Was für Nachteile erfahren die Betroffenen also wenn Sie mehr als 2 Monate Elternzeit nehmen...? Ganz zu schweigen von der finanziellen Frage...

    Kristin - mam05gfy

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    1. Hallo Kristin,

      natürlich gibt es Firmen, die ihre Mitarbeiter erheblich unter Druck setzen, eine kurze Elternzeit zu nehmen oder gar keine. In dem Fall, den Du beschreibst, würde mich echt interessieren, wie das Deine Schwester und ihr Mann lösen. Will man sein Kind wirklich mit 8 Monate in die Krippe geben (wenn man denn eine findet)? Oder legt man sich mit mindestens einem Arbeitgeber an?

      Liebe Grüße,
      Alex

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    2. Hallo Alex,
      grundsätzlich dürfte meine Schwester ein Jahr Elternzeit machen, dann würde Sie die Bundeswehr aber von Rostock in ein "Kaff" bei Würzburg versetzen. Der Arbeitgeber muss die bisherige Stelle für die Mutter nicht frei halten, sondern nur einen adäquaten Platz nach der Rückkehr anbieten. Das ist also leider legitim.
      Ihr Mann wiederrum hat einen befristeten Arbeitsvertrag. Den würde der Arbeitgeber ohne Verlängerung auslaufen lassen.
      Ich finde das Ganze fürchterlich. Leider kann keine Oma oder ähnliches einspringen, da wir alle in Sachsen leben. Eine Tagesmutter, welche das Kind nimmt, hat sie zum Glück in Rostock schon (die ist direkt in der Kaserne). Aber glücklich ist keiner der Beteiligten damit.

      Liebe Grüße zurück Kristin

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  2. Für mich persönlich macht es keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau in Elternzeit geht. Leider ist es immer noch exotisch, wenn Männer Elternzeit nehmen bzw. diese dann auch noch länger als zwei Monate dauert.
    Und leider sind auch meine Erfahrungen mit den Arbeitgebern nicht so positiv. Als ich (der Vater) bei meinem Arbeitgeber angesprochen habe, dass bei uns Nachwuchs unterwegs ist, hat mein Chef original gesagt: "Komm aber bloß nicht auf die Idee, Elternzeit zu nehmen." Das war schon ein starkes Stück. Da ich nur ein "kleines Licht" in unserer Firma bin und weder Führungs- noch Personalverantwortung habe, hatte ich wenig zu verlieren und habe trotzdem Elternzeit genommen. Mehr als die besagten zwei Monate konnten wir uns allerdings finanziell nicht leisten, so traurig das auch ist.
    Trotzdem war die gemeinsame Zeit mit der Familie eine ganz besondere Erfahrung und ich kann nur jedem empfehlen, so viel Elternzeit "wie möglich" in Anspruch zu nehmen.
    Viele Grüße
    Peter

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    1. Hallo Peter,

      das hört sich nicht schön an, aber Du hast Dich zumindest nicht davon beirren lassen. Wie war denn die Stimmung auf der Arbeit nach Deiner Rückkehr?

      Viele Grüße,
      Alex

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    2. Hallo Alex,
      nein, schön war das wirklich nicht. Nach meiner Rückkehr war die Stimmung unter den Kollegen und auch zur Teamleitung super; die haben das alle voll akzeptiert, meine Entscheidung mitgetragen und mich sehr unterstützt. Die Stimmung zur Geschäftsführung allerdings war eisig. Zu meinem Glück gab es mittlerweile einen Wechsel in der Geschäftsleitung und mit den neuen Chefs ist das Verhältnis wieder besser. Allerdings bin ich mal gespannt, wie die neuen Chefs reagieren, falls wir noch einmal Nachwuchs bekommen.
      Viele Grüße
      Peter

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    3. Hallo Peter,

      ich finde, Du hast alles richtig gemacht. Umgekehrt ist es ja auch nicht so, dass Arbeitgeber einem ewig dankbar wären, wenn man keine oder wenig Elternzeit macht. Das Berufsleben ändert sich manchmal so schnell: Versetzungen, Umstrukturierungen, Merger, Pleiten...etc. Sein Familienglück dem unterzuordnen, kann auch zu Enttäuschungen führen.

      Alles Gute euch,
      Alex

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  3. Bei Kind 1 hat mein Mann 2 Monate am Anfang genommen und dann noch einmal 5 Monate am Ende, da ich wieder arbeiten musste. Da hat sein Chef schon ziemlich geschluckt, aber letztendlich hatte das Ganze keine Nachteile für ihn. (Ich glaube, er macht seine Arbeit tatsächlich richtig gut...)

    Beim zweiten Kind wurde gleich am Anfang gedroht, er solle bloß nicht wieder so lange Elternzeit nehmen.
    Hallo?? Geht's noch? 7 Monate sind doch keine Ewigkeit.
    Wir haben uns dann für 9/3 und 4 Monate Teilzeit für mich entschieden. Aber auch, weil ich diesmal gern etwas mehr Zeit daheim hätte.

    Also, es ist immer noch nicht angekommen, dass auch Väter gleichberechtigt Elternzeit nehmen können.

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    1. Viele Chefs verstehen wahrscheinlich auch nicht, dass es umgekehrt dann genauso laufen kann: wenn mehr Männer länger Elternzeit nehmen, werden die Frauen wahrscheinlich öfters auch schneller aus der Elternzeit zurückkehren. Dass es die Zufriedenheit und die Motivation des Arbeitnehmers erheblich steigert, wenn Familie und Beruf besser vereinbart werden können... geschenkt.

      Wünsche euch alles Gute,
      Alex

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  4. Bei unserem Sohn, hat mein Mann die Elternzeit übernommen und 12 Monate beantragt. Leider fand sein Chef (Handwerksbetrieb mit round about 15 MA) das nicht so witzig und wollte ihn noch bei der Übergabe des EZ Antrages kündigen. Es folgte ein Gezerre ums letzte Gehalt und die finale Kündigung durch den AG direkt nach der EZ. Nichtsdestotrotz würde mein Mann es wieder so machen - die Zeit mit dem Kleinen war und ist ihm zu wichtig um sich von einem in der Steinzeit hängengebliebenem Chef reinreden zu lassen :)

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    1. Hallo,

      ich finde das toll, dass Dein Mann seine Entscheidung nicht bereut hat und trotz der Widrigkeit die Zeit mit dem Kind genießen konnte. Mich würde noch interessieren, wie das Arbeitsgericht die Kündigung gesehen hat.

      Viele Grüße,
      Alex

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  5. Hi,

    ich selber habe vor kurzem 6 Monate Elternzeit gemacht. Spannend fand ich die Reaktionen. Die meisten schauen einen ganz ungläubig an, so a la "wie kannst du nur 6 Monate Elternzeit machen". Die zweite Frage war dann meist "dann geht deine Frau aber wieder Arbeiten". Auf meine Verneinung wurden die Augen dann nur noch größer.

    So ganz scheint das Thema der Elternzeit machenden Väter noch nicht in unserer Gesellschaft angekommen zu sein.

    Ciao
    Martin

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