Freitag, 24. November 2017

Rose Revolution Day - (auch) ein Buchupdate



Der Rose Revolution Day erinnert seit 2013 jedes Jahr am 25. November an die Gewalt, die Frauen unter rund um eine Geburt erleiden. Manche gehen zu den Kreißsäalen und versuchen mit Hebammen und Ärzten ins Gespräch zu kommen, andere legen eine Rose vor dem Kreißsaal nieder. Es ist eine eher stumme Revolution, die deswegen aber nicht minder wichtig ist.
Und sie befasst sich auch nicht ausschließlich nur mit Gewalt unter der Geburt. Hier tritt sie leider gehäuft auf, aber die Rose Revolution wendet sich auch an all jene Frauen, die vor der Geburt oder im Wochenbett Gewalt erfahren haben.

Mein Geburtsbuch


Eigentlich sollte heute mein Buch erscheinen, so war Anfang August mein Plan gewesen. Und jetzt muss ich euch sagen: So schnell geht es dann leider doch nicht. Ich war und bin überwältigt von eurem Engagement. Mehr als 140 Geburtsberichte sind eingegangen, noch immer schicken Frauen ihre Berichte. Und noch immer haben nicht alle von euch eine Rückmeldung bekommen, weil ich es schier nicht geschafft habe, mit meinem Job, dem Blog und einem Kind im Homeoffice alles zu wuppen. Denn ja, ich will ja auch, dass das gut wird. Nicht mal so eben husch, husch.



Sich selbst Fehler zugestehen


Ich muss zugeben, das war schwer für mich, mir einzugestehen, dass ich meine eigenen Plan nicht erfüllen kann. Aber ich will dieser großen Aufgabe, die ich mir da vorgenommen habe auch richtig gut machen. Immerhin habt ihr mir eure Berichte, eure Erlebnisse anvertraut, da muss ich dem gerecht werden.
Es ist aber, und das ist die gute Nachricht, nur so, dass das Buch eben nicht im November rauskommt. Aber es wird kommen. Ich spreche gerade viel mit Hebammen und habe ganz tolle Unterstützung. Das Buch wird also kommen, definitiv. Nur eben nicht so schnell wie gedacht sondern ruhig und besonnen. Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen und bleibt weiter dabei.

Soll ich mehr mit euch teilen?


Ich freue mich übrigens sehr, dass so viele von euch immer wieder nachfragen. Habt ihr eigentlich Lust, dass ich ab und zu mal hier auf dem Blog berichte? Euch quasi teilhaben lasse am Entstehungsprozess?

Was ich heute schon mal ganz unbedingt möchte, und ich bin sehr froh, dass ich die Erlaubnis bekommen habe: Den Geburtsbericht mit euch teilen, der mich überhaupt auf die Idee brachte. Ich habe ihn ein wenig redigiert und hoffe, dass das so passt.



Geburtsbericht zum Rose Revolution Day




Am Vortag der Einleitung wurde ich im Krankenhaus bei der Intensiv-Schwangerenberatung gebeten gleich im Haus zu bleiben. Da ich bereits seit Wochen so unendlich sehr auf mein Kind gewartet habe (immer wieder verabschiedeten sich Ärztin und Hebamme nach den Untersuchungen mit den Worten „mal sehen ob wir uns beim nächsten Termin noch sehen müssen) empfand ich eine Einleitung bei ET+10 als gute Idee.
Natürlich war ich so gar nicht entspannt im Krankenhaus und die Wehen wollten nicht alleine kommen.
Nach der Untersuchung wurde mir bereits gesagt, dass für mich aus gesundheitlichen Gründen lediglich eine Einleitungsform infrage kommt, mit der Aussicht auf starke, lang anhaltende Wehen.
Um 10 Uhr ging es zum CTG und um 10:30Uhr  wurde mir von einer netten Ärztin das „Päckchen“ gelegt.

Gegen 14 Uhr kam mein Partner, und wir gingen bis zum nächsten CTG-Termin spazieren.
Die künstlichen Wehen setzten ein, super zu verarbeiten aber als „dauerhafter“ Schmerz.

Wir gingen weiter spazieren, das CTG verzeichnete regelmäßige Wehen. Aufgrund der Regelmäßigkeit wurde angenommen es seien weiterhin Wehen des Mittels, aber niemand sagte etwas genaues.
Im Flur begenete ich der Ärztin und scherzte mit ihr, dass die versprochenen schmerzhaften Wehen nun da seien und sie wäre Schuld. Lachend „drohte“ sie mir noch schlimmeres an und wir gingen getrennte Wege. Auf Station stieß ich auf taube Ohren mit der Bitte nach einem Wärmekissen und ich musste erneut zu den Hebammen um mir dort eines zu besorgen.

Gegen 18 Uhr beim erneutem CTG sprach mich die Hebamme an und erkundigte sich nach den Schmerzen, ich gestand ihr,dass es sehr schmerzhaft wäre. Sie bot mir an das Päckchen zu ziehen und mir Schmerzmittel zu geben. Nach Rücksprache entschied ich mich dagegen, mit der Hoffnung,dass mein Körper eigene Wehen produzierte.
Ich ging auf ein Zimmer um zu essen. Plötzlich hielt ich die Wehen nicht mehr aus und wir gingen zurück um das Angebot der Schmerzmittel anzunehmen.

Zurück auf Station habe ich mich umgehen der Schmerzzäpfchen entledigt ;) Ich konnte mein Essen nicht genießen so stark waren die Schmerzen. 
Auf dem Gang (ich stöhnte sehr laut vor schmerzen) „motzte“ mich eine Schwester an, ich bat sie um Schmerzmittel und sie blaffte mich an, dass ich damit in den Kreißsaal gehen sollte. Zusammen mit meinem Partner schleppte ich mich über den Gang als sie uns mit einem Rollstuhl entgegen kam „Na wenn sie noch laufen können,dann ist es ja nicht so schlimm", dagte sie.
Im Kreißsaal kam ich erneut an das CTG und litt. Die Hebamme kam um meine Daten aufzunehmen, und behandelte mich wie ein kleines Kind. Die nächste Hebamme die für mich zuständig war meinte immer: „Das ist doch keine Wehe oder ?“ oder „In der Wehenpause ...“ Nur war da keine Pause! Nie, nie, nie.
Ich durfte in die Wanne, das hatte ich mir vorher gewünscht und die Hebamme hatte die Idee während ich schon nicht mehr denken konnte.
Vorher überprüfte sie den Muttermund (ich glaube es waren 1,5cm ?!)

Dort erlebte ich den zweit schlimmsten Moment unter der Geburt – meine Panikattacken begannen. Ich hatte von nun an immerzu das Gefühl zu ersticken. Die Hebamme nahm es nicht ernst , sagte Sätze wie: „In der Wehenpause stehen sie auf und kommen aus der Wanne“ und mein Partner sagte immerzu: „Du wirst nicht ersticken, wir sind in einem Krankenhaus“ (Einfühlungsvermögen ist nicht seine Stärke ;) )
Irgendwann verlegte sie mich in den Geburtssaal und überprüfte erneut den Muttermund – 3 cm, 22 Uhr rum, Schichtwechsel. Mein Hebammen-Engel kam und ließ sich erneut den Muttermund zeigen 7 cm!

Jetzt ging es schnell, während ich immer wieder mit Panickattacken zu kämpfen hatte, versuchte sie mir durch gemeinsames Atmen und beruhigen zu helfen. Leider lag ich die ganze Zeit auf dem Rücken – aber ich wäre auch nicht in der Lage gewesen mich einen Zentimeter zu bewegen.
Die Ärztin die die Einleitung legte kam, und ich bettelte um eine PDA. Ich bekam den Zugang gelegt.
Endlich sollte es losgehen, die Anästhesistin wurde informiert und ich sollte versuchen die Wehen zu veratmen … ja PUSTEKUCHEN! Ich hatte Presswehen
Die Hebamme meinte: „Nein, haben sie nicht! - Oh, okay es geht los“ und, zack war ich mitten in der Geburt. Ich wusste nicht wie ich pressen sollte, denn immer wieder überwältigte mich das Gefühl zu ersticken. Ich wurde geschnitten.
„Sie haben gerade geschnitten!“, rief ich.
„Ach,das haben sie nicht gemerkt“, kam es von der Hebamme
„Ja äh,doch ?!“, und es kam Panik auf
„Wir brauchen dich in Gelb“, hieß es - und ich dachte Gelb bedeutet OP Kittel!

Aber ich schaffte es mein Kind zu entbinden – 22.17Uhr!
Wir kuschelten (leider er in einem Tuch eingewickelt, ich im Hemd.
Dann durfte der Papa ihn halten und ich wurde genäht – dabei quatschte ich wirres Zeug. Es klärte sich auf, dass mit "Gelb" die Kinderärztin gemeint war, die in den Kreißsaal Gelb kommen sollte.
Wir durften dann kuscheln und ich versuchte das erste Mal zu stillen – leider durch den Zugang auf eine Seite „verdonnert“ und da klappte es nicht … die Hebamme kam mit einem Stillhütchen und wir stillten etwas… aber es war nicht so wie ich es wollte.

Ich kam zurück auf Station, und mir wurde mein Kind „weggenommen“. Es hat sich zumindest so angefühlt. Und das bereue ich bis heute! Ich wurde von den diensthabenden Schwestern genötigt mein Kind im Kinderzimmer abzugeben, sie drohten mir damit,dass mein Sohn sterben könnte.
„Er spuckt noch ganz viel und kann dadurch ersticken. Wenn Sie gewährleisten können,dass Sie es mitbekommen und reagieren können – bitte“, wurde mir gesagt.
Und mein Freund dachte nur an mich, wie erschöpft ich bin und das noch viele Nächte mit dem Kind folgen und ich mich lieber ausruhen sollte. Weinend und mit Herzschmerz gab ich mein Kind ab. Ich hasse mich heute noch dafür.


Irgendwo während der Geburt kam noch ein Mann in den Kreißsaal aber wer das war oder warum er da war weiss ich nicht.
An sich war es eine tolle Geburt – aber alles um die Geburt herum war einfach nur furchtbar und belastend.

Achja bei der Chefarzt-Visite sprachen die Ärzte (als wäre ich LUFT!!!) davon,dass es bei mir heftiger ausfiel als erwartet … längste Wehenpause 1,5 Minuten und das auch nur 3 mal seit Beginn der Aufzeichnung im Kreißsaal (also ab ca. 19.30 Uhr) sonst alle unter 30 Sekunden.

1 Kommentar:

  1. Hallo, ich fände es klasse, wenn du immer mal ein update einstellst. Ich lese solche Berichte (positiv und negativ) mit großem Interesse und bin schon sehr auf das Buch gespannt. (Und freue mich meine eigenen zwei Berichte wieder zu finden)

    Liebe Grüße
    Kristin mam05gfy

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