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Mittwoch, 10. Mai 2017

Re:publica mit Kindern - eine gute Idee?

republica mit Kindern Familienfreundliche Konferenz Elternblog Runzelfuesschen


Dieses Jahr sind wir gemeinsam auf der re:publica. Für meinen Mann ist es das erste Mal, Elternzeit sei Dank. Und natürlich ist Herr Annika mit an Bord, wo sollten wir auch hin mit dem Einjährigen, der noch nicht in die Kita geht.

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Kinderfreundliche republica? Eher nicht!



Als ich mit dem Baby auf dem Gelände ankam, dachte ich: Wow, ist das laut. Denn klar, all diese Menschen, das ist eine wuselige Stimmung. Ich kam recht zufällig an dem Kinderbereich vorbei. Und mir fiel ein wenig das Gesicht runter. Denn es gibt ein kleines Stückchen Teppich, ein Bällebad, eine (!) kleine Kiste Lego Duplo, vier Bücher, 12 Malstifte und 3 Packungen Knete (die ich an Tag zwei aber nicht mehr gesehen habe).
Drum herum sitzen lauter Menschen zum Netzwerken, Mailen, Kaffee trinken. Alle latschen quer über den Teppich auf dem die Babys krabbeln und alles in den Mund nehmen.
Es gibt auch jede Menge Steckdosen, die aber mit Gaffatape abgeklebt sind. Könnt ihr euch die Begeisterung meines Sohnes vorstellen als er entdeckte, dass man daran ziehen kann?




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Mitten im Gewusel - republica mit Baby


Ich saß also auf dem schon recht schmutzigen Boden und dachte nach. Herr Annika hatte zugegebenermaßen sehr viel Spaß im Bällebad und steckte mit Freuden jeden Legostein in seiner Nähe in den Mund. Mein Sohn war vollkommen zufrieden mit der Situation. Ich aber nicht. Denn mal ehrlich, für mich ist dieser "Kinderbereich" auf der republica symptomatisch für den Umgang mit Kindern in der Gesellschaft. Ich bin mir sicher, die Veranstalter denken sich: Was wollen die Eltern denn? Es gibt hier einen Bereich, da können die spielen, es gibt sogar Teppich, die Steckdosen sind abgeklebt, was denn noch?

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Mitten drin - Kinder auf der republica


Zum einen wäre es toll nicht mit den Kleinen im schlimmsten Trubel sitzen zu müssen! Ein Rückzugsort für Kinder ist immer eine gute Idee, aber hier sitzen, krabbeln, spielen sie im Zentrum des Geschehens. Womit wir auch schon beim nächsten riesigen Problem sind. Denn klar sind kleine Kinder im Bällebad niedlich. Wenn sie dann noch bunt angezogen sind, na dann drücken Wildfremde doch gleich noch mal lieber auf den Auflöser. Hemmungen hat da niemand. Ich bin also nicht nur damit beschäftigt, meinen Sohn zu bespaßen, sondern auch zu schauen, dass er nicht auf Fotos / Videos Fremder drauf ist. Und alle, die ich angesprochen habe (eine andere Möglichkeit gibt es ja nicht) zeigten sich einsichtig. "Ja, klar, man sollte keine Kinder fotografieren, du hast recht, ich lösche das mal." Na danke.

Es gibt doch da was für Kinder...


An Tag zwei baten wir darum, dass die Schuhe ausgezogen werden, wenn schon der Kinderbereich betreten wird. Ratet doch mal, wie viele Leute das freiwillig gemacht haben oder überhaupt nur zur Kenntnis nahmen. Ja genau. Und wisst ihr was mich daran so wütend macht: Dass alle so tun, als wäre das jetzt aber wirklich zuviel verlangt. Als sollten Eltern doch mal zufrieden sein mit dem, was da geboten wird.
Und genau das ist das Problem. Wenn Kinder nicht immer als ein Extra, eine Belastung gedacht werden würden, dann gäbe es solche traurigen Kinderorte gar nicht. Dann wären sie willkommen, dabei, nicht ein"Übel" für das eben noch irgendwo ein klitzekleines bißchen Fläche geschaffen werden muss.


Familienfreundliche Republica? 


Kinder sind großartig und angeblich überall willkommen. Aber wir Eltern sollen doch dann bitte nicht soviel Ansprüche stellen. Auch die Re:publica wirbt damit, dass Kinder bis 16 Jahre gemeinsam mit ihren Eltern die Veranstaltung kostenlos besuchen können, eine tolle Idee. Nur, für Ein,- Zwei,- Dreijährige wird das ganz schön anstregend. Wer dem Bällebad entwachsen ist, der hat da ganz wenig wie er sich vergnügen kann. Dabei bin ich felsenfest davon überzeugt, dass Sponsoren sich darum reißen würden, hier Kinderfreundlichkeit, Vereinbarkeit zu zeigen. Alle reden von Arbeit 4.0, von neuen Arten des Arbeitens. Dass die (eigenen) Kinder da aber vielleicht dazugehören, dass sie nicht bei Tagesmutter, Kindergarten, Ganztagsschule, geparkt werden, das scheint überhaupt keine Rolle zu spielen.
In unserem Fall (oder auch bei Susanne und Caspar oder Anja und Christian) ist es noch jammern auf hohem Niveau. Immerhin sind immer beide Elternteile anwesend. Einer könnte als theoretisch noch Vorträge hören, während der andere die Kinder betreut. Aber bei Ticketpreisen ab 135€ ist das wahrlich nicht für jeden eine Option.

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Angebote für Kinder auf der Republica


Das Runzelfüßchen fragte, ob sie nicht auch mit uns mitkommen könnte, statt in den Kindergarten zu gehen. Ich muss verneinen. Weil ich nicht sicherstellen kann, dass nicht Aufnahmen von ihr gemacht werden (was von Seiten der Republica übrigens kein Problem ist), denn mit Kauf des Tickets stimmt man offensichtlich auch zu, dass man sich im Klaren ist, dass Fotos /Videos gemacht werden. Das gilt dann eben auch für die mitgebrachten Kinder.
Es gibt auch ein Angebot für größere Kinder. Ratet mal, wo das stattfindet.
Genau, im Kinderbereich. Dafür werden dann Tische aufgebaut und der Bereich noch weiter verkleinert. Für uns ist das auch ein Signal nach Hause zu gehen, denn zwischen Füßen, Tischen und Steckdosen muss mein Sohn dann ganz bestimmt nicht auch noch rumkrabbeln.

So, das sind mal MEINE Gedanken zur Kinderfreundlichkeit auf der republica. Hier gibt es einen Post mit den Meinungen anderer Eltern. Ich habe einige schon befragt und sammel noch einige Stimmungen. Wenn auch ihr was zu sagen habt, immer her damit!

Kommentare:

  1. Deckt sich mit meinen Erfahrungen der letzten drei republicas. Zwar war ich immer ohne Kinder da, aber als Mama Bloggerin hatte ich natürlich ein besonderes Auge auf den Kinderbereich und das Kinderangebot. Sehr schade. Dabei haben Elternblogger seit Jahren schon gute Vorschläge gemacht und das Kinderangebot beim CCC wird auch seit Jahren immer gelobt. An Ideenmangel liegt es also nicht.

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  2. Nachdem ich schon bei Twitter gerantet habe, auch nochmal hier eine kleine Anmerkung: wir sind weit gefahren für die rp und haben nicht die Option, unser Kindergartenkind morgens in den Kindergarten zu bringen, der ist nämlich 600 km weit weg. Wir waren an den ersten beiden Tagen nie lang dort, weil es für das Kindergartenkind so anstrengend war. Für mich übrigens auch. Der ständige Geräuschpegel und das Gewusel brauchen für Kinder auch einen Ausgleich zum Runterkommen.

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  3. Immer was zu meckern, oder? Wenn man auf eine öffentliche Veranstaltung geht, muss man damit rechnen fotografiert zu werden.

    Ein Kinderbereich wird bereit gestellt, ist aber auch wieder falsch.

    Was erwartet ihr denn immer alle? Ihr Elternblogger habt echt zu viel Zeit und macht aus jeder Mücke einen Elefanten.

    Nicht jede Veranstaltung eignet sich für Kinder. Dann muss man eben das beste draus machen oder sich was einfallen lassen oder die Situation einfach mal akzeptieren, dass Euch nicht jeder einen roten Teppich ausrollt. Ja, manchmal tut es not die eigene Anspruchshaltung einfach mal zu überdenken. Nicht alles dreht sich um Euch.

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    1. Schon was den Punkt des Fotografieren angeht sind wir zwei absoult unterschiedlicher Meinung. Aber selbst wenn das für mich in Ordnung sein sollte, für die mitgebrachten Kinder sollte es eine Ausnahme geben. Und da es keine Möglichkeit gab sich zum STillen wirklich zurückzuziehen wäre auch hier mehr Pietät angesagt gewesen. Ja, ich sitze im Kinderbereich und stille, aber ganz sicher will ich dabei nicht gefilmt /fotografiert werden. Nur, aufs Klo will ich dafür auch nicht.
      Ich erwarte im übrigen ganz sicher auch nicht, dass mir der rote Teppich ausgerollt wird. Und jetzt, wo ich die republica mit Kind erlebt habe weiß ich ja, was ich gern verändern möchte, werde mich also gern für 2018 einbringen. Es geht nämlich nicht darum einfach mal nur zu kritisieren, sondern wirklich darum auch etwas zu verändern.
      Was den Vorwurf angeht, Kinder gehören nicht auf eine solche Veranstaltung: Wo hätte ich denn meinen Einjährigen deiner Meinung nach sonst hingeben sollen? Hast du dir mal überlegt, dass man Kinder nicht immer wegorganisieren will, dass sie einfach Teil des Lebens sind und als solche nicht immer überall ausgeschlossen?

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  4. Oh man, das ist wirklich sehr traurig. Und bei solchen Ticketpreisen sollte man doch mehr erwarten dürfen. Kinder sind nicht nur Teil der Gesellschaft, sie sind unsere Zukunft - so abgedroschen dieser Satz klingen mag, aber es ist nun mal so! So wie wir heute mit ihnen umgehen, so werden sie sich morgen benehmen, wenn sie alt genug sind, weitreichende Entscheidungen zu treffen.

    Kinder sollten auch in Kulturangebote einbezogen werden; Kultur hat keine Altersbegrenzung! Gute Konzepte setzen den Anspruch auch wirklich um und das so, dass sich niemand ausgegrenzt fühlt. Es gibt so viele Positivbeispiele, da ist ein Negativbeispiel wie hier doch nun wirklich nicht mehr nötig, oder?

    Danke, dass Du darüber geschrieben hast! Es wäre schön, wenn sich Veranstalter solche Kritiken zu Herzen nehmen und daraus lernen.

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    1. Bei solchen Ticketpreisen?

      Sorry, der Eintritt ist wirklich geschenkt. Ein Blick auf Konferenz-Durchschnittspreise und du siehst, dass die republica echt low budget ist.

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    2. Dann geh doch Mal zum Chaos Communications Congress. Die reden nicht so viel, machen aber. Dagegen ist die republika ein lahmer Witz.

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  5. Klar sind andere Konferenzen sehr viel teuer. Aber 135€ sind halt schon ne Menge, wenn man dann nichts sehen kann, weil man nur der kinderbespaßende Partner ist. Und nur darauf bezieht sich meine Aussage zum Thema Ticket.

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    1. Anonym motzen geht ja immer... der Preis mag ja für eine Konferenz günstig sein, da kenne ich mich nicht aus, aber für eine Familie sind 135€ mal sicher nicht wenig... :( Andrea, falls Du mal einen Beitrag ganz allgemein über Kinder in der Gesellschaft schreibst, melde Dich, teile das dann gerne, finde das Thema gerade sehr wichtig und merke auch immer wieder, dass oft erwartet wird, dass es auch ohne Kinder geht und man ja zuhause bleiben kann...

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  6. Hallo,
    ich persönlich stimme dir in sehr vielen Punkten zu. Wo soll man denn während einer solchen Konferenz ein Kind lassen, das noch gestillt wird? Ist ja eher keine Aufgabe, die man mal so eben an jemand anderen abtreten kann. Und klar kann man ein bisschen mehr erwarten, ganz unabhängig vom Ticketpreis. Lassen wir mal die Ausstattung der Spielecke außer Acht, ist es das Verhalten der anderen Menschen, die mir sauer aufstößt. Gegenseite Rücksichtnahme und Respekt sollten doch immer selbstverständlich sein. Dazugehört für mich der Respekt vor einem Baby/Kleinkind, dass ich deren Bereich sauber halte, indem ich dort die Schuhe ausziehe oder den Bereich meide.
    Und der Respekt vor dem Recht am eigenen Bild. Von meinem Kind gibt es im Netz keine Bilder und das möchte ich bewusst nicht. Sie kann es noch nicht selbst entscheiden und meiner Ansicht nach, hat somit auch kein anderer das Recht, dieses für sie zu entscheiden. Ich nicht und vor allem keine Fremden!
    Klar kann das jeder so handhaben, wie er/sie das möchte, aber kurz zu fragen, ob ich das Kind fotografieren darf und die Antwort zu respektieren sollte doch immer normal sein. Ich würde niemals fremde Kinder fotografieren, schon gar nicht in der Absicht, diese Fotos online zu veröffentlichen. Da kann ich nur den den Kopf schütteln.
    Aber morgen wird es bestimmt besser. :-)
    Lieben Gruß
    Conny alias Bärchenmama

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  7. Für mich war es die mittlerweile siebte re:publica, mit Kind (2,5 Jahre) jedoch die erste. Während ich die Jahre zuvor also immer dachte, "ach, nett, um die kleinsten Besucher wird sich ja auch gekümmert" nahm ich die Angebote für Kinder diesmal also tatsächlich aus der Elternperspektive wahr.
    Und war ebenfalls überrascht, wie wenig es doch letztlich ist. Es mag meiner nun anderen Perspektive geschuldet sein, aber zu allererst dachte ich "huch, war der re:play-Bereich nicht schon mal größer?". Ich könnte schwören, ich hatte vor einigen Jahren oder gar erst letztes Jahr eine riesige Menge Legos in einem definitiv größeren Bereich gesehen. Dass dieser Bereich dennoch mitten im "Affenfelsen" und damit im lautesten und trubeligsten Teil der re:publica lag, war mir durchaus aufgefallen in den vergangenen Jahren, jedoch wurde mir jetzt erst klar, dass das für Babys und Kleinkinder nun nicht gerade eine freundliche Umgebung ist und in der Tat jede Menge Besucher gedankenverloren im Vorbeigehen Fotos und Videos von den spielenden Kindern machten.
    Letztlich hatte das Kind dennoch Spaß, als wir für zwei Stunden gemeinsam auf der re:publica waren. Das lag dann jedoch hauptsächlich am Bällebad des MediaLab Bayern und dem großen bunten Maker-Bus der GIG-Leute. ;)
    Meine Vorschläge für die #rp18 sind, den Ort der re:play-Area für ältere Kinder (mit Workshop-Angebot) beizubehalten, zusätzlich dazu jedoch einen Bereich einzurichten, an dem sich Babys und Kleinkinder aufhalten können. Ein Ort, der in einer ruhigeren Ecke der STATION eingerichtet wird und dem man direkt ansieht, dass dieser eben auch nur für diese Gäste reserviert ist.
    Und vielleicht kann uns ja das MediaLab Bayern ein zusätzliches Bällebad sponsern..? ;) --> https://twitter.com/julscho/status/862350125062123520

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