Freitag, 9. Dezember 2016

Die Zukunft der Arbeit - für Eltern und alle






Heute also kommt der dritte Teil meiner "Elternzeit - Woche". So habe ich sie jedenfalls für mich genannt. Am Dienstag schrieb mein Mann über Elternzeit für Väter, am Mittwoch Lisa über ihren Weg. Und nun, nach der Sicht der Arbeitnehmer_innen wollte ich auch noch wissen wie ein Arbeitgeber zur Elternzeit seiner Angestellten steht.
Die liebe Tomma von Rabach Kommunikation, die ich schon auf verschiedenen Veranstaltungen getroffen habe, hat mir dazu Rede und Antwort gestanden. Und ich finde es ziemlich interessant, dass eben auch Arbeitgeber sehen, dass sich etwas ändern muss. Aber: Das gilt für Tomma im Grunde für die gesamte Arbeitswelt, nicht nur für Eltern.

Liebe Tomma, stellst du dich bitte kurz vor?

Mein Name ist Tomma. Ich bin 36 Jahre alt, Inhaberin einer Kommunikationsagentur für Familien- und Foodmarken und stolze Patentante von zwei bezaubernden Kindern.

Du hast eine Agentur in der ausschließlich Frauen arbeiten. Ist da das Thema Kind & Karriere wichtig? 

Als Agenturchefin mit der Verantwortung für sieben MitarbeiterInnen ist für mich in erster Linie „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und weniger „Kind & Karriere“– ein Thema. Unabhängig davon, ob wir ein Männer-, Frauen- oder ein gemischtes Team sind.
Bei uns ist es sicherlich aus zweierlei Gründen ein besonderes Thema: Zum einen weil wir uns beruflich neben Foodkunden auf Kinder- und Familienmarken fokussieren, zum anderen weil für mich selbst Familie und Kinder das Wichtigste im Leben sind. Da wir bislang ein reines Frauenteam sind, lassen sich meine Gedanken sicherlich eher von der Vereinbarkeitsdiskussion einnehmen, als wenn wir ein reines Männerteam wären. Wobei mich genau das zeitgleich zum Nachdenken anregt.







Inwiefern denkst du über das Thema nach?

Durch meinen Job bin ich täglich mit Herausforderungen von Familien in Berührung und so ist auch das Thema „Kinder und Karriere“ immer wieder präsent. Was mich stört, ist, dass jeder dabei unweigerlich an Frauen und Karriere denken. Und auch ich selbst ertappe mich immer wieder dabei. Dabei sind in meinem Freundeskreis die besten Gegenbeispiele und verschiedenen Familienkonstellationen zu finden: Männer, die ebenso selbstverständlich die Elternzeit in Anspruch nehmen wie ihre Frauen (bis zu zwei Jahre!). Männer, die am liebsten Vollzeit zuhause bleiben würden. Eltern, bei denen beide arbeiten gehen. Alleinerziehende Mütter, die den Spagat zwischen Familie und Beruf wunderbar hinbekommen und alleinerziehende Mütter (angestellt und selbständig), die währenddessen die Karriereleiter emsig nach oben tapsen, ohne dass die Kinder zu kurz kommen.
Was mich zudem in dieser Diskussion stört ist das Wort „Karriere“. Nicht jede/r möchte Karriere machen, jede/r definiert Karriere anders. Und so sollte es doch zunächst darum gehen, darüber zu sprechen, den Beruf und die Familie vereinbaren zu können und zwar in dem Maße, die der jeweilige Elternteil als richtig erachtet – und dabei spielen sicherlich unterschiedliche Gründe eine Rolle. Aus meiner Sicht ist dabei weniger die Anzahl der Stunden relevant, die jemand mit dem Nachwuchs bzw. mit den Kollegen verbringt, als vielmehr die Qualität und die Motivation in dieser Zeit. Auch als Arbeitgeber profitiere ich von einem motivierten Mitarbeiter, der in Teilzeit kommt, erheblich mehr als von einem semi-engagierten Kollegen, der Vollzeit anwesend ist. Und dabei ist es erst einmal irrelevant, warum jemand in Teilzeit arbeitet und ob Kinder der Grund sind.

Wie klappt bei euch im Team die Vereinbarkeit aus deiner Arbeitgebersicht?

Als Arbeitgeber (und ich sage bewusst nicht „Als Frau“ ...) mit eigenem Kinderwunsch habe ich den Anspruch zu beweisen, dass sowohl Frauen als auch Männer berufliche und private Ziele miteinander verbinden können. Und ich wähle diese Formulierung bewusst. Denn häufig ist nicht die Tatsache, dass jemand Kinder hat, die Herausforderung, sondern der Umstand, dass jemand zugunsten eines Privatlebens nicht mehr 40–60 oder gar mehr Stunden pro Woche arbeiten möchte.
Mein Anspruch ist es, dass diese Vereinbarkeit klappt. Ein hoher Anspruch, der mich manchmal verzweifeln lässt. Weil es leider nicht allein in meiner Macht steht. Aber meiner Ansicht nach kann ich nicht eine Erwartungshaltung an unsere Gesellschaft haben, wenn ich nicht selbst einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung leiste.
Ich merke, dass mein Anspruch, Beruf oder gar Karriere mit Familie zu verbinden, für alle Beteiligten (Eltern, Kinder, Kollegen und Arbeitgeber) nur mit sehr viel Disziplin, Kompromissbereitschaft, Flexibilität, offener Kommunikation, Toleranz und Vertrauen realisierbar ist. Wahrlich keine einfache Aufgabe. Insbesondere die gegenseitige Toleranz ist eine große Herausforderung. Auf kinderloser- und Elternseite. Und so habe ich leider noch nicht die Patentlösung. Bei uns gibt es Tage, an denen es wunderbar klappt, aber leider auch Tage, an denen es unmöglich scheint. Wobei das Thema Vereinbarkeit in dem Fall nicht nur die Eltern betrifft, sondern auch den Kinderlosen an manchen Tagen die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben nur schwer möglich scheint. Was ich feststelle: Wir vergleichen häufig unseren Anspruch an eine kinderlose Vollzeitstelle mit Karriereambitionen mit dem Anspruch an kindbedingte Teilzeitstellen und das ist zum Scheitern verurteilt.



Kinderlos oder nicht – was ist denn deiner Meinung nach die Herausforderung an Teilzeit?

Als Agentur sind wir Dienstleister. In unserem Job als Kommunikationsberater sind wir zudem einer gewissen Flexibilität und Spontaneität unterlegen. Denn kritische Themen richten sich weder nach Wochentagen, noch nach Bürozeiten. Die Digitalisierung und die Arbeit in sozialen Netzwerken haben den Druck erhöht, binnen kürzester Zeit eine Antwort zu liefern. Und das erfordert für eine Teilzeitstelle (unabhängig von Kindern) Flexibilität, aber auch Verständnis auf Kunden- und Kollegenseite. Und diese Flexibilität ist glaube ich das A & O und die Herausforderung für Eltern zugleich.
Lass mich ein zunächst ein kinderloses Beispiel geben, weil es aufzeigt, dass das Thema Vereinbarkeit nicht immer etwas mit Kindern zu tun hat, sondern das Problem woanders beginnt und durch Kinder eine neue Dimension erreicht. Wir müssen meiner Ansicht nach nicht nur Lösungen für Eltern finden. Denn erst wenn wir alle flexibler werden, schaffen wir das gegenseitige Verständnis, das aktuell fehlt.
Ich selbst arbeite i. d. R. vier Tage in der Woche. Meine Wochenarbeitszeit hat sich deshalb nicht verändert, daher sollte es – so meine naive Einstellung – zunächst keine Herausforderung sein. Die Umstellung aber war (auch ohne Kinder) nicht einfach. Sowohl mein Team, als auch ich mussten Abstimmungszeiten anders planen und das dauert, weil wir „Gewohnheitstiere“ uns einen Rhythmus, der von unserem eigenen abweicht, bewusst machen müssen. Mittlerweile wissen auch unsere Kunden, dass ich freitags nicht in der Agentur bin. Sowohl meine Mitarbeiter, als auch unsere Kunden wissen aber auch – und das ist die Flexibilität, die ich für mich einplane – dass sie mich in dringenden Fällen erreichen können. Jedoch ist es dann mein Ziel, diese ungeplante Arbeitszeit an anderer Stelle auszugleichen. 
Bereits diese Veränderung erfordert viel Disziplin. In einem komprimierten Tag von z. B. vier bis fünf Arbeitsstunden gewinnt diese Disziplin noch viel mehr an Relevanz. Gerade in der Arbeit mit Kunden und im Team heißt es, sich gegenseitig immer wieder ins Boot zu holen. Es bedeutet bei allen Aufgaben mehr Zeit einzuplanen für Abstimmungen, weil eben nicht jeder immer verfügbar ist. Es bedeutet Meetings so zu arrangieren, dass es auch in knappe Zeitfenster passt. Es bedeutet für den anderen ein Stück weit mit zu denken – und das wiederum erfordert einen hohen Grad an Teamfähigkeit. Auf allen Seiten. Und das Verständnis aller Seiten, dass Zeiten und Prioritäten individuell unterschiedlich sind. So zumindest die Theorie.

Woran scheitert es aus deiner Sicht in der Praxis?

Aktuell herrscht, so meine Wahrnehmung, eine große Intoleranz zwischen Teil- und Vollzeitkollegen. Beide Seiten fühlen sich benachteiligt. Beide tun sich schwer, sich auf die Arbeitsweise des jeweils anderen einzulassen. Für mich ist es entscheidend, dass beide Seiten die ihre nicht als die „Norm“ oder selbstverständlich ansehen und dass die Erwartungshaltung, dass sich die anderen dem eigenen Arbeitsrhythmus anpassen, die falsche ist. Es ist ebenso wenig selbstverständlich, dass eine Vollzeitkraft all ihre Aufmerksamkeit auf die Belange der Teilzeitkraft lenkt und z. B. alle Meetings stets vormittags gelegt werden, Abstimmungen wie früher auch am selben Tag stattfinden etc., wie es ebenso wenig selbstverständlich ist, dass jemand, der nur vormittags kommt, auch nachmittags für Fragen der Kollegen und Kunden erreichbar ist. All das sollte eine absolute Ausnahme für dringende oder nicht verschiebbare Aufgaben bleiben! Und darunter fallen sicherlich die wenigsten!

Es scheitert also an fehlender Toleranz, Disziplin und Flexibilität?

So hart es klingt: Aus meiner Sicht ja. In meinem Job arbeite ich viel mit bloggenden Eltern zusammen. Diese haben meist vormittags oder später am Abend Zeit. Dann, wenn die Kids in der Kita oder Schule sind, oder schlafen. Also ist es für mich klar, dass wir zu diesen Zeiten sprechen und nicht am Nachmittag, wenn Familienzeit angesagt ist. Ebenso erwarte ich aber auch, dass meinem Gegenüber klar ist, dass ich nicht jeden Abend um 22 Uhr noch arbeite. Für viele bedeutet Arbeit noch klassische 9to5. Es fehlt an Flexibilität im Arbeitsalltag und ja: auch an Toleranz. Wir sollten nicht erwarten, dass sich der jeweils andere uns anpasst. Sondern wir sollten gegenseitig aufeinander zugehen.
Wir erwarten immer hier und jetzt eine Antwort. Da nehme ich mich nicht aus. Häufig denken wir nicht darüber nach, ob die Antwort nicht auch bis morgen Zeit hat oder ob ich sie nicht hätte früher stellen können, damit der andere Zeit für eine Beantwortung hat und damit ich die benötigte Information zu der Zeit habe, in der ich für mich entscheide zu arbeiten. Das ist eine Frage der Disziplin.
Ich habe zugegebenermaßen sehr hohe Anforderungen an mein Team. Und mache auch keinen Unterschied, ob jemand wie unsere Studentin nur einmal die Woche in der Agentur ist, oder – wie die Mami in unserem Team – mit reduzierter Stundenanzahl arbeitet oder aber wie das Kernteam – in Vollzeit. Die Diskussion um Vereinbarkeit sollte keine sein, also müssen arbeitende Eltern so selbstverständlich sein wie kinderlose Kollegen. Denn kinderlose Kollegen haben ebenso ein Recht auf Privatleben. Wir machen aus dem Elternstatus in Verbindung mit Arbeit eine solche Besonderheit

... Mir fehlt es an Selbstverständlichkeit, wie sie in Dänemark oder auch Frankreich vorzufinden sind.
Wie sich jemand einbringt, hat meines Erachtens nichts mit dem Kinderstatus zu tun, sondern mit der Persönlichkeit einer Person. Dass sich Prioritäten mit der Geburt des Nachwuchses verändern, finde ich (selbst)verständlich, aber das geht – so meine Erfahrung – nicht automatisch mit einer Einstellungsänderung des Elternteils einher. Ist jemand zielstrebig, wird er es auch mit Kind sein. Auch wenn sich die Arbeitsstunden pro Woche verringern. Denkt jemand lösungsorientiert, wird er diese Eigenschaft gerade als Mama oder Papa beibehalten. War jemandem die Karriere wichtig, werden auch Kinder nichts an der generellen Einstellung verändern. Ist jemand zuverlässig, werde ich mich auch auf Kollegen mit Kind verlassen können. Die Umstände haben sich verändert: Als Eltern sind wir stärker an feste Zeiten gebunden. Weil die Kita schließt, die Kids zum Sport gehen, Hausaufgaben begleitet werden, Kindergeburtstage anstehen, feste Schlafenszeiten einzuhalten sind und, und, und. Diese fehlende Flexibilität müssen sich Eltern an anderer Stelle zurück erkämpfen. Das kann zum einen mit dem steigenden Alter der Kinder einhergehen, oder aber – je nach beruflichen Zielen und Prioritäten – mit einer Verschiebung der Arbeitszeiten. Die Skandinavier sind für mich an dieser Stelle ein sehr gutes Beispiel: Unsere dänischen Kunden starten früh und haben so die Chance am frühen Nachmittag oder späten Mittag voll und ganz für ihre Familie da zu sein. Die meisten von ihnen rücken dann am Abend, sofern notwendig, noch einmal kurz die Arbeit in den Fokus. Dieses Modell ist sicherlich nicht für alle denkbar: Es nützt wenig, wenn ein früher Vogel am Abend die Konzentrationsleistung herausfordert und ebenso wenig hilft es Eulen, morgens Höchstleistungen von sich zu erwarten. Daher muss jede/r für sich sein Modell finde. Und genau das ist die Flexibilität, die wir als Kollegen, Kunden, aber vor allem wir Arbeitgeber anbieten sollten.
Diese Flexibilität schadet aber auch kinderlosen Kollegen nicht. Und uns allen würde es sicherlich leichter fallen, sie zu leben, wenn wir sie vorgelebt bekommen. Warum nicht eine Mittagspause verlängern und Besorgungen machen, wenn die Projekte es zulassen? Warum nicht im Homeoffice arbeiten, wenn wir uns dort besser konzentrieren können? Warum nicht erst am Montag morgen von einer Reise zurückkehren anstelle sich schon am Sonntag zu stressen und damit das Wochenende zu verkürzen? Sicherlich ist eine flexiblere Arbeitszeit nicht immer möglich. Und sicherlich auch nicht in jedem Job! Gerade im kleinen Team erfordert es einen hohen Teamzusammenhalt und das Vertrauen, dass nicht eine/r diese Möglichkeiten ausnutzt und der/die andere darunter leidet. Ich denke, so würden sich auch Eltern leichter tun. Das Verständnis füreinander wäre ein anderes. Weil eben beide Seiten die gleichen Rechte (und Pflichten) haben.

Nun willst du selbst ja vielleicht auch Mutter werden – hast du schon eine Idee wie du das mit deiner Karriere vereinbaren möchtest?

Unbedingt möchte ich Mama werden. Und gleichzeitig meinen Beruf nicht aufgeben. Denn für mich sind beides erstrebenswerte Ziele. Aus beidem schöpfe ich Kraft. Ich würde aber andere Maßstäbe  (und ich sage bewusst nicht Ansprüche) an mich haben. Wie ich eingangs sagte, ist es für mich nicht unbedingt das Thema „Kind und Karriere“. Karriere setze ich mit „höher und weiter“ und auch ein Stück weit „schneller“ gleich. Ich bin an einem beruflichen Punkt, an dem ich das in dieser bisherigen Geschwindigkeit nicht mehr für mich als primäres Lebensziel habe. Nun bin ich aber auch in der absoluten Luxussituation, dass ich selbständig bin und ein großartiges Team habe, auf das ich mich verlassen kann.
Wichtig für mich ist mein Anspruch, für mein Team und meine Kunden erreichbar zu sein, wenn sie mich brauchen. Dafür muss ich nicht unbedingt von morgens bis abends persönlich vor Ort sein. Daher kann ich mir sehr gut eine Arbeitsteilung nach dem dänischen Vorbild vorstellen. Damit ich das Beste aus zwei Welten verbinden kann: qualitative Zeit in der Agentur, aber eben auch mit der Familie! Und das nicht nur am Wochenende.
Ich habe viele Ideen für mich persönlich, wie es funktionieren kann. Manche werden zurecht von Eltern als naiv eingestuft. Aber ich habe Beispiele in meinem Freundeskreis, in denen es funktioniert. Auch bei mir wird es Zeiten geben, in denen ich mich hin- und hergerissen fühle. Zeiten, in denen ich den Eindruck haben werde, niemandem wirklich gerecht zu werden. Zeiten, in denen ich nicht weiß, woher die Kraft für die eine oder die andere Seite kommen soll.
Aber ich habe ebenso das Ziel mit gutem Beispiel für meine Kinder voranzugehen und genau diesen Anspruch, dass es geht (und gehen muss!) Beruf und Familie miteinander zu verbinden als selbstverständliches „Modell“ vorzuleben. Nur wenn wir alle eine Selbstverständlichkeit mit einbringen, werden wir arbeitende Eltern auch nicht als Ausnahme wahrnehmen. Ich hoffe aber zugleich ein Stück weit die Brille der Kinderlosen behalten zu können. Damit das Verständnis und die Toleranz für beide Seiten gegeben sind, wenn Flexibilität eventuell gerade schwierig umzusetzen ist.

Was muss sich deiner Meinung nach ändern, um Kinder kriegen für Frauen attraktiv zu machen?

Ich maße mir nicht an das beurteilen zu können. Die Gründe, weshalb sich Männer oder Frauen für Kinder entscheiden sind so vielseitig, da möchte ich ungern eine Wertung einbringen. Auch mag ich nicht bewerten, ob sich ein oder beide Elternteile für oder gegen die Arbeit entscheiden und für welchen Zeitraum diese Entscheidung gilt. Dafür spielen zu viele individuelle Kriterien eine Rolle.
Wichtig ist, dass uns bewusst ist, dass wir Kompromisse eingehen müssen, wenn wir beides miteinander vereinbaren wollen. Sei es die fehlende Zeit mit dem Nachwuchs, seien es bestimmte Projekte, weil diese eine so hohe Präsenz erfordern, dass sie in Teilzeit nicht umzusetzen sind. Seien es finanzielle Einbußen oder Einschnitte in der Freizeitgestaltung. Und dass wir uns bewusst für diese Konsequenzen entscheiden. Damit wir eben nicht den Eindruck haben, benachteiligt zu sein und anderen mit einer Vorwurfshaltung zu begegnen. Wichtig ist, dass Eltern mehr Selbstbewusstsein für ihre Entscheidung haben! Denn es ist eine individuelle Entscheidung (sicherlich manchmal unfreiwillig bedingt durch äußere Einflüsse). Und wenn ich nicht als Elternteil wie selbstverständlich mit meiner Entscheidung umgehe und mir über dessen Konsequenzen bewusst bin – wie kann ich erwarten, dass mein kinderloses Umfeld dies tut?

Väter die in Elternzeit gehen: Wie stehst du dazu? / Triffst du in deinem Agenturalltag auch auf Väter die länger als 2 Monate in Elternzeit gehen?
Ich unterscheide in diesem Fall nicht zwischen Männern und Frauen. Ich haben zwei sehr schöne Beispiele in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. In dem einen Fall nehmen beide Elternteile gerade eine Auszeit. Er für 3 Monate, sie für 9. In einem anderen Fall ist sie die ersten 6 Monate zuhause geblieben und kommt jetzt in Vollzeit zurück, wohingegen ihr Mann ab sofort für 2 Jahre zuhause bleiben wird.

Wie sollten sich Arbeitgeber verändern um Mütter die Rückkehr in den Job zu vereinfachen?

Es gibt sicherlich verschiedene Ansätze, die denkbar sind.
  • Eine Agentur-Kita fände ich zum Beispiel großartig. Die Kids sind nah an den Eltern, diese im Zweifel schnell greifbar und gleichzeitig könnte die Betreuungszeit flexibel gestaltet werden – in beide Richtungen. Natürlich ist das nicht für jede Agenturgröße realisierbar
  • Homeoffice ist bei uns zum Beispiel i. d. R. kein Problem
  • Arbeitsteilung, z. B. wenn zwei Teilzeitkräfte sich eine Vollzeitstelle teilen, ist ein Ansatz
  • Flexiblere Arbeitszeiten sind ein Modell, das wir kürzlich als Test gestartet haben
All das ist aber „nur“ der äußere Rahmen. Der sicherlich einen Weg ebnen kann. Funktionieren tut er aber nur mit der oben genannten transparenten Kommunikation, mit gegenseitiger Unterstützung und Toleranz und nur, wenn beide Seiten die Disziplin, das Vertrauen und die Flexibilität mitbringen, die unterschiedliche Modelle innerhalb einer Agentur oder eines Unternehmens erfordern. Und wenn beide Seiten sich Zeit geben, an diesem Umdenken zu arbeiten und als Team zu denken.

(c) Fotos: Christoph Niemann 

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