Donnerstag, 9. Oktober 2014

Zugfahrt mit Baby: Im TGV nach Frankreich

Wie bereits gestern berichtet, die Zugfahrt mit dem Baby im ICE war schon alles andere als erbaulich. Schlimmr geht aber bekanntlich immer, deswegen setzte die Reise im TGV dem Ganzen wahrlich noch die Krone auf.



Vom ICE zum TGV: Zugfahren mit Baby


Der ICE entließ uns in Manheim, ich hatte die irre Hoffnung, dass nun alles besser werden würde. Da standen wir, mit zwei riesigen Rücksäcken, dem Kinderwagen, dem Babybett und dem Runzelfüßchen und warten auf unseren Anschlusszug. Und warteten und warteten. Der Zug hatte Verspätung. Was natürlich toll ist, wenn man eh schon weiß, dass man erst kurz vor 22.00Uhr am Zielort sein wird. Da zählt quasi jede Minute.

TGV: Kein Platz für Kinderwagen


Dann aber fuhr der TGV endlich ein. Und das Chaos begann. Wir hatten vorher im Internet recherchiert, angeblich sind unglaubliche Koffer- und Kinderwagenmengen für den TGV kein Problem. Großzügige Gepcäkabteile würden quasi nur auf uns lauern... In der Realität gestaltet sich das dann so: 100 Menschen versuchen den Zug gleichzeitig zu stürmen, alle mit Unmengen an Gepäck. Wer zuerst drin ist schleppt sein Zeug die Stufen hoch, ja der TGV hat zwei Stockwerke.

Mit Baby im Zug: Menschen drängeln


Durch das Menschen-Koffer-Stufengewusel kommt niemand mehr irgendwohin, also beginnt das große Schupsen. Ich wollte mich mit dem Runzelfüßchen an den Rand schieben um allen anderen Platz zu machen, vor allem aber mein Baby in Sicherheit zu wissen. Das klappte nicht, die Masse riß uns mit. Also gut, schnell hoch und unsere Plätze einnehmen. In der Zwischenzeit kämpfte mein Mann mit all dem Gelumpe, das wir so dabei hatten.

Viel Gepäck im TGV


Viel schlimmer als alles Gepäck dieser Welt waren aber die anderen Reisenden. Die zeterten in einer Tour, dass mein Mann doch endlich mal den Kinderwagen aus dem Weg räumen sollte. Und den Rucksack. Und sich selbst. Mein Mann, sonst wahrlich die Ruhe selbst, versuchte dem Tumult Herr zu werden. Klappte nicht, die Meute fing an unseren Kinderwagen auseinanderzunehmen um sich Plätze im Gepäckabteil zu sichern. Oder ihren reservierten (!!!!) Platz zu erreichen.
Fakt war: Der Kinderwagen musste auseinandergebaut werden, die Gepäckablage war viel zu klein und jeder Sinn von Entspannung dahin. Das Runzelfüßchen hatte ich zum Glück im Bondolino, die Leute hätten sie sonst mitgerissen.

Baby weint im Zug: Genervte Mitreisende


Im weiteren Verlauf der Reise fing mein Baby an zu weinen. Die Reise war lang, es war zuviel Input, alles sehr verständlich. Unverständlich dagegen unsere Mitreisenden. Eine Frau erdreiste sich allen Ernstes, unser Kind erst anzuzischen und dann den Finger auf den Mund zu legen und meine Tochter streng anzugucken. Dass sie vor Angst gleich noch mehr weinte war nur allzuverständlich.
Der Rest unseres Großraumabteils seufzte entnervt, räusperte sich mehrfach und klapperte nervös mit allem möglichen herum. Diese Blicke, was für "unfähige" Eltern wir seien, lernt man doch erstaunlich schnell auszuhalten.

Mit Baby im TGV: Keine Rückzugsmöglichkeiten


Das Schlimme am TGV: Es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten. Die Fahrgäste müssen supereng zusammen sitzen. es gibt kaum Bewegungsfreiheit und erst recht kein Abteil in das man sich zurückziehen könnte. Draußen auf den sehr schmalen Gängen gibt es zwei kleine Sitze, die aber so beliebt sind, dass es keine Möglichkeit gibt mit dem Baby hier zur Ruhe zu kommen. Und das Bordbistro ist zum Stehen da. Sonst hätte ich mich zum Füttern dort hingesetzt. Aber nein, die waren zwar sehr freundlich und haben uns alles was wir wollten aufgewärmt, anschließend mussten wir aber drei Abteile lang wieder zurück zu unserem Platz.

Bahnpersonal im TGV


Das Bahnpersonal war freundlich, aber auch sie hatten keine Idee wohin mit dem schreienden Runzelfüßchen. Kinder in Frankreich würden sich SO einfach nicht benehmen. Ich hätte mich an der Stelle fast vergessen und wäre der Frau ins Gesicht gesprungen, hätte ich nicht Wichtigeres zu tun gehabt.

Das Baby stillen im TGV


Nach langen Verhandlungen hat dann schließlich eine Frau, die sich diesen Außensitzplatz ergattert hatte, ein Einsehen und überließ mir diesen. Eigentlich nur, damit ich mein Baby unter Ausschluss der kompletten Öffentlichkeit stillen konnte. Aber ich blieb einfach dort sitzen, ermattet und froh um diese Gelegenheit.

Baby kommt nicht zur Ruhe


Das Runzelfüßchen schlief auf der Reise so gut wie überhaupt nicht, was daran lag, dass es aufregend, laut und ungewohnt war. Im dritten Teil werde ich morgen darüber berichtet, wie sich das so lebt, mit einem vollkommen überdrehten Baby.

Habt ihr auch so schreckliche Erfahrungen mit Zugreisen? Oder vielleicht ganz tolle? Ich bin auf eure Meinungen gespannt!

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