Freitag, 10. Oktober 2014

Übermüdetes Baby im Zug

Die letzten Tage war die Zufahrt in den Urlaub das dominierende Thema im Blog. Heute soll das vorerst zuende sein, aber das geht nur, wenn ich den herzerwärmenden, fast veröhnlichen Schluss dieser Tragödie auch noch berichte. Also, ein letztes Mal, auf in den TGV.



Lange Zugfahrt mit Baby


Das Runzelfüßchen hatte schon schrecklich anstrengende neun Stunden Zugfahrt hinter sich, voller neuer Eindrücke,uns anzischender Frauen und ohne Platz zum Spielen. Als ich nun zum Stillen endlich die kleine halbwegs ruhige Ecke ergattert hatte, wähnte ich mich im Glück. Langsam, ganz langsam, dämmerte meine Tochter endlich weg. Mein Rücken meldete sich nach zehn Minuten, aber egal, das Baby muss schlafen also lernt Mama die neue Sitzposition auch lieben.

Krach macht Baby wach


Meine Tochter also schlief endlich, ich begann langsam mich zu entspannen. Noch drei Stunden Zugfahrt, mit schlafendem Baby sollte das doch machbar sein. Aber dann, nach knapp einer Stunde Nachtruhe hielt der Zug in Lyon. Und gefühlte 200 Menschen wollte aussteigen. Und jeder Einzelne von ihnen musste natürlich an unserer Ruheoase vorbei. Mit all dem Gepäck. Und all der Lautstärke, die sie aubieten konnten.

Baby lächelt im Zug


Das Runzelfüßchen schreckte hoch und fing an zu weinen. Um anschließend zu lachen. Alle Vorbeikommenden wurden angelächelt, nicht wenige bedankten sich bei mir für den zuvorkommenden Service meiner Tochter. Das Problem: Mein Baby war nun vollends überdreht. Schlafen ging nicht, zum Krabbeln war sie aber zu müde. Also schauten wir den Ein- und Aussteigenden bei ihren Wegen zu. Und dann kam Emma!

Kind beschäftigt Baby


Emma war sieben Jahre alt und zusammen mit ihrer Schwester Anna, fünf, auf dem Rückweg von einer Hochzeit. Sie wohnt mit ihren Eltern in Marseille und mag kleine Babys. Emma hatte den Ernst der Lage, unruhiges Baby, lange Zugfahrt, ausgelaugte Mama, sofort erkannt. Und half. Auf ihre Art. Mit einem Luftballon. Den hatte sie auf der Hochzeit abgestaubt, er war mit Helium gefüllt und damit er nicht hinfortfliegen konnte, hatte Emma ihr Plastikhandy unten dran gehangen. Das sei ihr größter Schatz, erklärte sie mir.

Baby spielt im Zug


Mein Runzelfüßchen bräuchte all das Spielzeug im Moment aber viel dringender, erklärte sie, und rückte mit Handy und Ballon an uns heran. Und gab beides meiner Tochter in die Hand. Die ließ es los, Emma brachte es zurück. Und wieder und wieder und wieder. Wohl eine Stunde haben die Beiden so gespielt, das Runzelfüßchen im Tragesystem, so ganz ohne Mama wollte sie nicht mehr sein, Emma auf dem Boden sitzend unter ihr.

Kind redet mit Baby


Emma sprach viel auf Französisch mit meiner Tochter, gurrte sie an und sorgte dafür, dass wir beide, mein Baby und ich, zur Ruhe kommen konnten. Denn Kinder können mit Kindern eben auf eine ganz eigene Art kommunizieren.
In Marseille stiegen wir aus, waren kurze Zeit später im Hotel und das Runzelfüßchen ist sofort eingeschlafen. Am Ende hat sie die Bahnfahrt als Einzige von uns wohl doch ganz positiv erlebt.

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